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E3 Reduktion ökologischer Auswirkungen

A) Ziel des Indikators

Ein gemeinwohlorientiertes Unternehmen setzt sich

a)    aktiv mit seinen ökologischen Auswirkungen auseinander
b)    erhebt und dokumentiert seine direkten und indirekten Umweltauswirkungen der Unternehmensgröße/-aktivitäten angemessen
c)    hat ein Programm, um seine negativen Auswirkungen kontinuierlich zu reduzieren
d)    hat ein Programm, um seine positiven Auswirkungen zu verstärken und bekannt zu machen

 

Die Unternehmensaktivitäten sollen dem „Quartett der Nachhaltigkeit“ [1] folgen:

  • Konsistenz ist die Notwendigkeit, alle (wirtschaftlichen) Tätigkeiten so zu gestalten, dass sie sich in natürliche Kreisläufe einfügen können (Einsatz von naturverträglichen Technologien).
  • Effizienz ist die bessere Nutzung der Ressourcen wie z.B. Energie, Material, Flächen oder auch Geld (Ressourcenproduktivität).
  • Suffizienz zielt auf einen geringeren Verbrauch von Ressourcen durch eine verringerte Nachfrage nach Gütern.
  • Resilienz bedeutet, das Puffervermögen unserer Systeme (natürliche wie technische oder wirtschaftliche) soweit zu festigen, dass die Systeme auch bei Störungen halbwegs stabil bleiben können.

B) Impulsfragen

  • Wie werden potenziell schädliche Umweltwirkungen erkannt und vermieden?
  • Welche konkreten ökologischen Zielsetzungen und Strategien existieren?
  • Welche ökologischen Aspekte werden aktiv gesteuert?
  • Welche Maßnahmen werden gesetzt, um die ökologischen Auswirkungen zu 
    reduzieren?
  • Zu welchen ökologischen Aspekten liegen Kennzahlen vor, und wie ist deren Trend über die vergangenen Jahre (Materialeinsatz, Energie- und Wasserverbrauch, Emissionen, Abfall, Mobilitätskennzahlen)? Gelten diese für das gesamte Unternehmen oder nur für Teilbereiche?
  • Welche Energieformen werden genutzt?
  • Besteht eine Zertifizierung nach ISO 14001, EMAS oder Vergleichbarem?
  • Werden Umweltdaten erfasst und veröffentlicht?
  • Gibt es ein System, mit dem ökologische Fußabdrücke ermittelt werden?

 

C) Bewertungstabelle

Sub-Indikator (SI)

Erste Schritte     (0-10%)

Fortgeschritten         (11-30%)

Erfahren              (31-60%)

Vorbildlich              (61-100%)

1. Absolute Auswirkungen1

Das Unternehmen ...

Relevanz: 
mittel

... kennt die Nutzung seiner P/D und die Herkunft seiner Hilfsstoffe und Produktionsmittel

+ kennt seine Ressourcennutzung und seine Emissionen

(OEF1-Guide Punkte 4 und 5 oder äquivalent)

+ führt regelmäßig eine OEF–Analyse durch

(OEF-Guide Punkte 6-9 oder äquivalent)

+ veröffentlicht die Daten und tritt mit den Ergebnissen in Kooperation zu anderen Unternehmen der Branche

2. Relative Auswirkungen:

Im Branchenvergleich liegt das Unternehmen bzgl. Stand der Technik und Gesetzesvorgaben ...

Relevanz: 
hoch

… hinsichtlich einiger ökolog. Auswirkungen über dem Branchendurchschnitt

… hinsichtlich einiger ökolog. Auswirkungen über dem Branchendurchschnitt mit klar erkennbaren Maßnahmen zur Verbesserung

… hinsichtlich wesentlicher ökolog. Auswirkungen über dem Branchendurchschnitt mit klar erkennbaren Maßnahmen zur Verbesserung

… hinsichtlich wesentlicher ökolog. Auswirkungen weit über dem Durchschnitt (Innovationsführer, Branchenleader, etc.)

3. Management und Strategie

Das Unternehmen …

 

 

Relevanz: 
hoch

… setzt erste Schritte zur Identifikation der wesentlichen ökologischen Auswirkungen und Risiken (klare Verantwortlichkeiten, institutionalisierte Prozesse, identifizierte Umweltkonten)

+ … erhebt zu seinen Umweltkonten entsprechend Kennzahlen und verfügt über Optimierungs-
Strategien

+ …

wie neben, nur: langfristige Reduktions- bzw. Substitutions-strategien

 

wie neben + eindeutige Beurteilung des „Quartetts der Nachhaltigkeit“ bzgl. der Umweltkonten

 

Die Beurteilung folgt dem ökologischen Fußabdruck für Unternehmen oder äquivalenten UmweltkontenOEF=Ökologischer Fußabdruck für Unternehmen.

Auf EU-Ebene (http://ec.europa.eu/environment/eussd/corporate_footprint.htm) ist ein EOF-Guide (Leitfaden zur Bestimmung eines Umwelt-Fußabdrucks für Unternehmen) veröffentlicht:http://ec.europa.eu/environment/eussd/pdf/footprint/OEF%20Guide_final_July%202012_clean%20version.pdf

 

D) Besonderheiten bei der Bewertung

Für die Bewertung sind sowohl die absoluten Umweltauswirkungen als auch die relativen (im Branchenvergleich bzw. im Vergleich zum Nutzen für die Gesellschaft) zu beachten.

  • Ressourcen: Absoluter Materialeinsatz (Rohstoffe, Vorprodukte, Papier etc.), Einsatz Sekundärrohstoffe, Substitution durch ökologisch höherwertige Rohstoffe, Wasserverbrauch, Recycling und stoffliche Wiederverwendung etc.
  • Energie & Klima: Treibhausgas-Emissionen im Branchenvergleich; %-Satz erneuerbarer Energieträger; Reduktion Energieverbrauch pro Mitarbeiter; 
    Mobilitätsstatistiken
  • Sonstige Emissionen in Luft, Wasser und Boden: SO2; NOx, VOC, PM, Schwermetalle, Kanzerogene/Mutagene/Radioaktive Stoffe, Allergene, 
    Dioxine, Furane etc.
  • Abfälle wie Restmüll, Bioabfall, Altglas, Altpapier, Verpackungen, Elektronikschrott, Sondermüll, Schadstoffe, radioaktiver Abfall, Produktionsabfälle, Schlachtabfälle etc.

Der jeweilige Branchenhintergrund, der Stand der Technik sowie die jeweilige Gesetzeslage vor Ort werden herangezogen und führen zu den Einstufungen bei den Bewertungen. Die Beurteilung der absoluten Auswirkung folgt dem ökologischen Fußabdruck für Unternehmen (OEF, die Methode steckt jedoch noch in den Kinderschuhen) oder äquivalenten Umweltkonten.

 

Branchen-/Größenbesonderheiten:

Größere Unternehmen haben im Allgemeinen eine höhere Umweltwirkung, auch die Art der P/D „wirken“ anders. Letzter Aspekt ist Gegenstand von D3, und von großen Unternehmen kann man sicherlich auch eher erwarten, an höherwertigen Standards mitzuarbeiten (D5).

Mit E3 geht es hauptsächlich darum, die Unternehmen zu „öko-effizienteren“ Herstellprozessen zu bewegen – Vergleichsbasis ist stets der Branchenstandard und natürlich die Branche (das P/D) selbst.

Bei der absoluten Wirkung (SI1) kann man ein „Pro-Kopf-Äquivalent“ heranziehen, um Unternehmen verschiedener Größe miteinander zu vergleichen. SI2 und SI3 orientieren sich größenunabhängig am technischen (Branchen-)Standard.

Richtig ist, dass Unternehmen in unterschiedlichen Branchen unterschiedlich „leicht“ zu GWÖ-Punkten kommen können, innerhalb einer Branche sollte das jedoch Beachtung finden, ggf. müssen sich Auditoren abstimmen.

 

Abgrenzungen zu anderen Indikatoren

C3 Förderung ökologischen Verhaltens der MitarbeiterInnen

C3 betrifft das ökologische Verhalten der MitarbeiterInnen. Hierbei überschneiden sich das Mobilitätsverhalten für die An- und Abreise zur Arbeitsstelle - eine Doppelbewertung sollte vermieden werden. Das ökologische Verhalten (z.B. Ernährungsverhalten) der Mitarbeiter ist durch Weiterbildungsmaßnahmen in Richtung ökologischer Bewusstseinsbildung beeinflussbar.

D3 Ökologische Gestaltung der Produkte und Dienstleistungen

D3 betrachtet die jeweilige Produktebene im gesamten Lebenszyklus, während E3 das gesamte Unternehmen als Produktionsort betrachtet. Hier gibt es Überschneidungen. Zudem ist das Quartett der Nachhaltigkeit auch Orientierungsschema für E3.

E1 gesellschaftliche Wirkung der Produkte/Dienstleistungen

E1 bewertet hauptsächlich die Produktebene und den gesamten Lebenszyklus im Branchenvergleich,  berücksichtigt jedoch auch die Herstellmethoden – hier gibt es Überschneidungen.

D5 Erhöhung der sozialen und ökologischen Branchenstandards

In E3 ist nicht der Standard das Entwicklungsziel, sondern die Reduzierung von 
Umweltwirkungen.

E) Definitionen + HINTERGRUNd

Sowohl auf globaler als auch regionaler Ebene haben gesellschaftliche Aktivitäten zur Störung und zum Teil zur Degradation von Ökosystemen beigetragen.[2] Um dem nachhaltig entgegenzuwirken, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die eine Reduktion von Ressourcenverbrauch und Emissionen (insbesondere Treibhausgase[3]) sowie eine Einschränkung der Nutzung gefährlicher Substanzen, Technologien, Prozesse und Tätigkeiten zum Ziel haben.

Für eine Transformation vom jetzigen Zustand zu einer ökologisch nachhaltigen Ökonomie ist deswegen jede Branche und jedes Unternehmen gefordert, seine ökologischen Auswirkungen zu kennen und im Sinne des Gemeinwohls Verbesserungen zu realisieren.[4]

Schädigende Umweltwirkungen („Umweltverschmutzungen“) sind z.B.: Gewässerverschmutzung, Luftverschmutzung, Bodenverschmutzung, Lichtverschmutzung, Akustische Verschmutzung. Beispiele für umweltverschmutzende Stoffe sind: Chemikalien (allgemein), Schwermetale, Mineralstoffe wie Asbest, Öl, Dünger und Pflanzenschutzmittel bei unsachgemäßer Anwendung, Abgase, Arzneimittel, Antibiotica …[5],[6]

F) Umsetzung

„You can’t manage what you don’t measure.” Zur Evaluierung und Reduktion der ökologischen Auswirkungen des Unternehmens ist eine prozessorientierte Herangehensweise in Form eines an Größe und Branche angepassten Umweltmanagementsystems sinnvoll. Hier kann auf etablierte Standards zurückgegriffen werden. Nachfolgend eine Auflistung der wichtigsten Umweltmanagementsysteme:

Informationen des österreichischen Lebensministeriums zu EMAS http://www.emas.gv.at/article/articleview/52454/1/16769

Die Deutsche Webseite zu EMAS: http://www.emas.de/

Die EMAS-Richtlinie (enthält ISO 14001:2004):  http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2009:342:0001:0001:EN:PDF

  • easyEMAS: ein auf die Bedürfnisse von KMUs zugeschnittenes, an EMAS orientiertes Umweltmanagement: www.emaseasy.eu

Für EPUs und Kleinstunternehmen ohne wesentliche Produktionsprozesse (z.B.: Beratungsunternehmen) ist der Informationsbedarf geringer ausgeprägt, für eine Beurteilung sollten zumindest quantitative Angaben zum Energieverbrauch (Strom, Gas), Mobilitätsaufwand (ungefähre km, Verkehrsmittel), Ressourcenverbrauch (siehe E1) herangezogen werden.

 

Nachfolgend einige HintergrundiInformationen zu wesentlichen Standards

Beste Verfügbare Technik (Best Available Technology): EU BAT - http://eippcb.jrc.es/reference/  http://www.bvt.umweltbundesamt.de/

CO2-Rechner: Tools zur Berechnung betrieblicher CO2 Emissionen http://www.izu.bayern.de/praxis/detail_praxis.php?pid=0203010100217

Öko-Business-Plan der Stadt Wien: http://www.wien.gv.at/umweltschutz/oekobusiness/

Abfallvermeidung (www.umweltbundesamt.at)

G) Best practises

Keine Angaben

H) Literatur/ Links / EXperten

ökologischer Fußabdruck:        

 

Webseiten zu Wasseräquivalenten

 

Redakteur: Lutz Knakrügge, lutz@mail.pcom.de, Vorarbeit: Christian Loy, Mitarbeit: Christian Rüther

 

 

 



[2]           Siehe u.a. das Millennium Ecosystem Assessment des UNEP (United Nations Environmental Program) - www.maweb.org/

[3]           siehe z.B. Treibhausgase – die Seite des Bundes Umweltamts (D)

[4]           z.B.: Verringerung der klimawirksamen Emissionen in Mitteleuropa um > 75% (vgl. Sondergutachten 2009 des WBGU; www.wbgu.de), absolute Reduktion des Ressourcenverbrauchs bzw. dessen Auswirkungen (vgl. UNEP 2011, Decoupling Natural Resource Use and Environmental Impacts from Economic Growth; www.unep.org), Vermeidung von Risiko-Stoffen (vgl. The International Chemical Secretariat; www.sinlist.org/) etc.

[5]           siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Umweltverschmutzung

[6]           siehe auch REACh – Verordnung, insbesondere Kapitel 57

 

Ergänzungen und Erläuterungen

(Nachtrag aus einem Gespräch mit AuditorInnen vom Okt. 2013, nicht im Handbuch 4.1 veröffentlicht)

Zu OEF - Guide
Der im Subindikator 1 erwähnte Leitfaden ist seit Mai 2013 in eine "Rechtsvorschrift" (ohne Gesetzescharakter) der Europäischen Union transformiert worden: 2013/179/EU, http://eur-lex.europa.eu/JOHtml.do?uri=OJ:L:2013:124:SOM:DE:HTML.

    • Die im Subindikator genannten Punkte 4 ... 9 sind übernommen worden, entsprechen den Kapitelüberschriften und bedeuten schlagwortartig zusammengefasst:
      • 4/5: Es besteht zu einem OEF des Unternehmens eine Plan zur Durchführung eines OEF sowie ein Datenerfassungssystem
      • 6-9: zusätzlich ist eine Auswirkungsabschätzung vorhanden (6,7), es gibt einen (öffentlichen) Bericht (8) der auch von einem externen Prüfer validiert wurde (9)
    • Hinweis für AuditorInnen: Hier sollte dir Überprüfung der Existenz der Punkte ausreichend sein, eine Inhaltliche Prüfung ist m.E. nicht erforderlich (siehe auch Punkt 9 der Rechtsvorschrift)

 

Zu Bilanzbereiche / Umweltkonten

Im allgemeinen werden Umweltkonten zu folgenden Bilanzbereichen in Unternehmen geführt:

    • Emissionen (Luft, Wasser Boden)
    • Lärm
    • Abfall
    • Umlaufgüter (Waren, die zur Produktion verwendet werden)
    • Energie
    • Wasser (Nutzung, Abwasser)
    • Boden, Liegenschaft (überbaut?)

Alle Konten müssen in messbaren Einheiten bilanziert sein (kg, m, KWh ...) und es ermöglichen, den jährlichen Verbrauch zu ermitteln: Lagerbestand (Jahresende - Jahresanfang) + Einkauf

Zusätzlich sollten Kennzahlen entwickelt sein, an Hand denen eine Verbesserung der Umweltwirkung sichtbar gemacht werden kann.

 

Redakteur: Lutz Knakrügge, lutz@mail.pcom.de, Vorarbeit Christian Loy, Mitarbeit Christian Rüther

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