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Negativkriterien

Hier findet sich eine Liste aller Negativkriterien

N1: Verletzung der ILO-Arbeitsrechte/ normen/Menschenrechte (minus 200 Punkte)

Menschenrechte und die Kernarbeitsnormen der ILO (International Labour Organization) bilden wesentliche gesellschaftliche Grundpfeiler des globalen Zusammenlebens. Eine globale Ratifizierung ist ebenso wie eine gelebte Umsetzung in vielen Staaten bis heute nicht gegeben.

In Staaten ohne Ratifizierung der Kernnormen (z.B. China, USA) ist demnach ein proaktiver Zugang des Unternehmens im Rahmen der lokalen Möglichkeiten notwendig, um deren Einhaltung sicherzustellen. Auch mögliche menschenrechtsverletzende Auswirkungen und Effekte von Produkten und Dienstleistungen eines Unternehmens sind zu berücksichtigen.

In jedem Fall  sind die Beachtung des Grundsatzes „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sowie die Einhaltung der Anti-Diskriminierungsnorm zu überprüfen. Nachweisliche Benachteiligungen auf Grundlage von ethnischer Abstammung, Hautfarbe, Geschlecht, Glaubensbekenntnis, politischer Meinung, nationaler Abstammung, sozialer Herkunft, Alter, sowie „jede andere Unterscheidung, Ausschließung oder Bevorzugung“ (ILO Übereinkommen 111, Artikel 1, Absatz 1b) sind ein gravierendes Negativkriterium.

Kernarbeitsnormen: http://www.ilo.org/public/german/region/eurpro/bonn/kernarbeitsnormen/index.htm

RedakteurIn: Gabriela Edlinger gabriela@abcd.co.at


N2: Menschenunwürdige Produkte und Dienstleistungen (minus 200 Punkte)

Wir bezeichnen P/D als menschenunwürdig, wenn sie negative direkte oder indirekte Auswirkungen haben auf:

  • das Leben
  • die Gesundheit von Lebewesen, sowohl physisch als auch psychisch
  • die Freiheit von Menschen
  • die Natur

Eine Orientierung bieten die Leitfäden für ein Ethisches Investment von Banken, z.B.

Auf Basis dieser Vergleichquellen haben wir uns für folgende Ausschlusskriterien entschieden, wobei die Null-Toleranzgrenze beim Umsatz gilt.  Sobald diese Güter einen Teil des Umsatzes ausmachen, werden folgende %-Zahlen der Gesamtminuspunkte abgezogen

Umsatzanteil der P/D

Abzug

Bis 1% des Umsatzes

50%

Bis 2% des Umsatzes

75%

Über 2% des Umsatzes

100%

Folgende Produkte und Dienstleistungen sind für uns menschenunwürdig[1]:

  • Produkten und Dienstleistungen für das Militär insbesondere  Hersteller geächteter Rüstungsgüter (lt. UN-Deklaration), CBRN-Waffen: chemisch, biologisch, radiologisch und Nuklear-, Streumunition (Clusterbomben), Antipersonenminen, Waffen mit Ausnahme von mehr als 90% ziviler oder polizeilicher Verwendung 
  • Bau und Betrieb von Kernkraftwerken, atomaren Wiederaufbereitungsanlagen oder atomaren Endlagern, Verbrennung von radioaktivem Material sowie Uranabbau
  • Freisetzen von gentechnisch veränderten Organismen (Tiere und Pflanzen)
  • Herstellen von Chlor, chlororganischen Grundstoffen und mit Hilfe von Chlor hergestellten Grundstoffen, besonders im Bereich Kunststoffe
  • Herstellen von Agrochemikalien (Pestizide, Fungizide, Herbizide)
  • Alkohol / Drogen / Tabak- und  Rauchwaren: Hersteller dieser Produkte ausgenommen Wein, Bier sowie medizinisch genutzte Drogen
  • Herstellen und Vertrieb von pornografischen Produkten
  • Betrieb von Personen- oder Frachttransport auf dem Luftweg (wenn mehr als 10% des Geschäftes ausmachen)
  • Produkte auf Basis von Tierversuchen, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind (z.B. Kosmetika, Waschmittel)
  • Glücksspiel: Hersteller und Handel von Glücksspielen und -geräten sowie Wetten,bei denen Geld verloren werden kann
  • Embryonenforschung
  • Medien, deren Inhalt mit mehr als 75% NICHT der Weiterbildung/ kulturverträglichen/gewaltfreien Unterhaltung dienen
  • Rohstoffproduktion mit zweifelhaften/ kontroversen Umweltauswirkungen, z.B. Schiefergas und Ölsande (N7/8)
  • Herstellung oder Betrieb von Anlagen mit Emissionen von Giftstoffen oder Elektosmogs, z.B. Handymastbetreiber
  • Konventionelle Produktion und Handel von Tierprodukten (Ausnahme: artgerechte und tierwürdige Haltung mind. nach EU-Bio-Standard).

Redakteurin Angela Drosg-Plöckinger: a.drosg@mehrwerte.at


N3: BESCHAFFUNG BEI BZW. KOOPERATION MIT UNTERNEHMEN, WELCHE DIE MENSCHENWÜRDE VERLETZEN (minus 150 Punkte)

Die Produktion vieler Güter des täglichen Gebrauchs ist mit großen sozialen und ökologischen Problemen verbunden (z.B.: fossile Energieträger, agrarische Erzeugnisse, Telekommunikation und Elektronik). Folglich ist es für fast kein Unternehmen möglich, Verletzungen der Menschenwürde in der Lieferantensphäre auszuschließen.

Wann dieses Negativ-Kriterium als erfüllt gilt, ist von mehreren Faktoren und teilweise auch vom Einzelfall abhängig. Grundsätzlich gilt, dass dieses Negativ-Kriterium schlagend ist, sobald das Ausmaß an potentiell kritischen Gütern relativ (>5 % der Ausgaben,z.B.: die Auswahl des Kaffees ist bei einem Kaffeehaus von größerer Bedeutung als bei einem Beratungsunternehmen) oder absolut (hoher Einfluss des Unternehmens auf die vorhandenen Probleme) signifikant ist  und eine Auseinandersetzung mit den Folgewirkungen nicht erkennbar ist bzw. Alternativen nicht wahrgenommen werden (z.B.: zertifizierte Rohstoffe, Teilnahme an Multi-Stakeholder-Initiativen). Mit hohen ethischen Risiken verbundene Güter und Dienstleistungen (Gas, Benzin, Laptop, Drucker, Handy), die in einem büro- bzw. haushaltstypischen Ausmaß konsumiert werden ist noch keine Erfüllung des Kriterium gegeben, da dies nahezu alle Unternehmen betrifft und eine Abgrenzung zu schwerwiegerenden „Tatbeständen“ sichergestellt werden soll. Das Negativ-Kriterium gilt ebenfalls als erfüllt, wenn die Existenz menschenunwürdiger Bedingungen in der Wertschöpfungskette bekannt ist (z.B.: Konflikte mit Anrainern und zivilgesellschaftlichen Initiativen) und das Unternehmen (insbesondere bei hoher Marktmacht) eine passive Haltung einnimmt oder nur kosmetische Maßnahmen durchführt (Förderung von CSR-Projekten statt konkrete Verbesserung in der Lieferantensphäre, Industrieinitiativen zur Vermeidung von Multi-Stakeholder-Initiativen).

RedakteurIn: Christian Loy – christian.loy@gmx.at


N4: Feindliche Übernahme (minus 200 Punkte)

Auf dem globalen Markt gilt derzeit „Fressen und gefressen werden“. Aktiengesellschaften beispielsweise können sowohl gegen den Willen der Geschäftsführung als auch der Beschäftigten „feindlich“ übernommen werden. In der Gemeinwohl-Ökonomie soll der Stärkere den Schwächeren nicht fressen dürfen. Eine einvernehmliche Verbindung ist hingegen kein Problem: Es müssen aber sowohl die Geschäftsführung als auch die Beschäftigten zustimmen. Liegt diese Zustimmung nicht vor, gilt die Übernahme als feindlich.

Zur Begrifflichkeit siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Feindliche_%C3%9Cbernahme

Redakteurin: Eva Nagl-Pölzer + consulting@nagl-poelzer.com (basiert auf Artikel von Christian Felber)


N5: Sperrpatente (minus 100 Punkte)

Manche Unternehmen melden sehr viel mehr Innovationen zum Patent an als sie kommerziell verwerten, mit dem Ziel, die Forschung um ihr Patent „rundherum“ zu blockieren. Das plakativste Beispiel sind Autofirmen, welche Patente für verbrauchsarme oder Solarautomobile seit Langem halten aber nicht verwerten, weil dies einem Paradigmenwechsel von der fossilen in die postfossile Ära einleiten und bestehende Machtstrukturen angreifen würde. Im Regelfall handelt es sich um weniger spektakuläre Fälle, die nur einen längeren und größeren Vorsprung zur Konkurrenz sichern. Die Effekte sind die Blockade von Innovation und die Schädigung anderer Unternehmen. Derzeit sind uns keine Methoden bekannt, durch die Sperrpatente ausfindig gemacht werden könnten, deshalb wollen wir als ersten Schritt das Bewusstsein für diese unsolidarische Praxis wecken.

Zur Begrifflichkeit siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Sperrpatent

Redakteurin: Eva Nagl-Pölzer + consulting@nagl-poelzer.com (basiert auf Artikel von Christian Felber)


N6: Dumpingpreise (minus 200 Punkte)

Manche Unternehmen bieten Produkte in für sie neuen Märkten zu Preisen an, die unter den Produktionskosten liegen, um Marktanteile zu erobern. Das widerspricht der Kostenwahrheit und dem fairen Mitbewerb. Dumpingpreise könnten ausfindig gemacht werden, indem die Preise derselben Produkte an unterschiedlichen Standorten verglichen werden oder die Unternehmen ihre Kostenrechnung offenlegen.

Zur Begrifflichkeit siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Dumpingpreis

Redakteurin: Eva Nagl-Pölzer + consulting@nagl-poelzer.com (basiert auf Artikel von Christian Felber)


N7: Illegitime Umweltbelastungen (minus 200 Punkte)

Unternehmen greifen durch ihre Aktivitäten in Ökosysteme ein. Wenn diese Eingriffe1 unangemessen sind -  im Sinne eines gesellschaftlichen Nutzens der regional betroffenen Bevölkerung und überwiegend privaten Interessen dienen, so sind bis zu 200 Punkte in Abzug zu bringen – unabhängig davon, ob das Vorgehen vor Ort legal ist oder nicht und insbesondere, wenn das Vorgehen am Standort des Mutterkonzerns illegal wäre.

Die Abstufung sollte am Nutzen-/Schadenverhältnis des Projekts bzw. des Unternehmens gemessen werden. Bei Illegalität am Mutterstandort verdoppelt sich der Abzug (bis max. 200 Punkte)

1 z.B.: Zerstörung wichtiger Lebensräume, Rodung, Rückstände in Wasser, Luft und Boden

Redakteur: Lutz Knakrügge, lutz@mail.pcom.de, Vorarbeit Christian Loy


N8: Verstösse gegen Umweltauflagen (minus 150 Punkte)

Das Kriterium kommt zur Anwendung, wenn ein Unternehmen gegen Umweltauflagen verstößt, wie z.B. durch

  • Überschreiten (auch temporäres) von Grenzwerten1
  • Nicht zulässige Nutzung von Chemikalien, die auf der Verbotsliste stehen (76/769/EWG)
  • bekannte Rechtsverstöße

Die Abstufung folgt dem Schweregrad bzw. der Dauer der Überschreitungen nach Ermessen des Auditors bis zu 200 Punkte

1 Das könnte z.B. für Gemeinden auch ein Überschreiten der Ozongrenzwerte sein

Redakteur: Lutz Knakrügge, lutz@mail.pcom.de, Vorarbeit Christian Loy


N9: Geplante Obsoleszenz (minus 100 Punkte)

Beschreibung Negativ-Kriterium

Unter „geplanter Obsoleszenz“ wird die produktionstechnisch vorgenommene Verkürzung der Lebensdauer von Produkten durch den Hersteller verstanden. Hierunter  fällt neben der eigentlichen Gestaltung auch die Nicht-Reparierfähigkeit von Produkten. Bekanntestes Beispiel des 20.Jahrhunderts war das Phoebuskartell von  Glühbirnen-Herstellern, dessen Zielsetzung es war, die Lebenszeit zwecks Umsatzsteigerung künstlich zu verkürzen.  Als gegenwärtiges Beispiel wird häufig das IPhone genannt, bei  welchem der Akku nicht ausgewechselt werden kann, weshalb sich die Nutzungsdauer auf die Funktionstüchtigkeit des Akkus beschränkt. Für weitere Beispiele für unterschiedlichste Formen geplanter  Obsoleszenz siehe: Doku: Kaufen für die Müllhalde.

Bewertung und Abstufung

Wann dieses Negativ-Kriterium schlagend wird, ist im Einzelfall zu entscheiden, die Nachweisführung erweist sich vielfach als problematisch. Anhaltspunkte können folgende Aspekte sein: 

  • Nichtaustauschbarkeit von Bauteilen mit kurzer Nutzungsdauer (z.B.: Akku)
  • Verwendung von sich schnell verschleißenden Bauteilen, trotz  Verfügbarkeit von Alternativen mit längerer Nutzungsdauer (z.B.: Plastikzahnräder). 

Webseite zum Thema: http://www.murks-nein-danke.de

RedakteurIn: Christian Loy – christian.loy@gmx.at


N10: Arbeitsrechtliches Fehlverhalten seitens des Unternehmens (minus 200 Punkte)

Die Rechte und Pflichten von ArbeitgeberInnen gegenüber ihren MitarbeiterInnen sind umfassend geregelt. Aufzeichnungen der Arbeiterkammer belegen aber, dass diese Regelungen häufig – zum Schaden der ArbeitnehmerInnen – missachtet werden.

Durch die Anwendung dieses Negativkriteriums schlagen sich Verletzungen des Arbeitsrechtes, insbesondere des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes (ASchuG), durch das Unternehmen in der Gemeinwohlbilanz negativ nieder. Die Gemeinwohlbilanz will hier den Gesetzgeber nicht ersetzen, sondern ergänzen und verstärken.

In diesem Sinn ist arbeitsrechtliches Fehlverhalten seitens des Unternehmens belegbar durch:

  • rechtskräftige Verurteilung des Unternehmens wegen Verletzungen des Arbeitsrechts.
  • (wiederholte) Arbeitnehmerklagen vor dem Arbeitsgericht, die in einem Vergleich enden.
  • mehrere dokumentierte Fälle von arbeitsrechtlichen Beschwerden, auch wenn diese außergerichtlich geeinigt werden konnten.

Insgesamt ist für die Beurteilung dieses Negativkriteriums in Österreich die Arbeiterkammer als gesetzliche Vertretung der ArbeitnehmerInnen eine wichtige Informationsquelle. Sie führt genaue Aufzeichnungen über arbeitsrechtlich relevante Vergehen (z.B. Übersicht der AK Oberösterreich für das Jahr 2011: http://www.arbeiterkammer.com/bilder/d136/Schwarzbuch_20111.pdf ).

RedakteurIn: Gabriela Edlinger gabriela@abcd.co.at


N11: ARBEITSPLATZABBAU  ODER STANDORTVERLAGERUNG TROTZ GEWINN

BESCHREIBUNG:

Ein Unternehmen, das dem Gemeinwohl dient, wird bei stabiler Gewinnlage in Zeiten, in denen es eine signifikante Zahl von Arbeitssuchenden gibt, weder Arbeitsplätze abbauen noch Standorte schließen. Bei rein gewinnorientierten Unternehmen stehen solche Maßnahmen auf der Tagesordnung. Ein Beispiel von vielen: Das Semperit-Werk in Traiskirchen wurde 113 Jahre nach der Gründung geschlossen, obwohl es schwarze Zahlen schrieb – aber nicht die vom Mutterkonzern Conti angestrebte höhere Finanzrendite abwarf. Das Wohl der EigentümerInnen wird über das Wohl aller anderen Berührungsgruppen gestellt. Das sollte nicht sein, weil ein Unternehmen nicht dazu da ist, nur das Wohl einer bestimmten „Anspruchsgruppe“ zu maximieren.

MESSMETHODE:

Wird ein Standort trotz Gewinnlage verlagert oder geschlossen?

Werden im Unternehmen trotz stabiler Gewinne Arbeitsplätze abgebaut?

Redakteur: Christian Felber, info@christian-felber.at


N12: Umgehung der Steuerpflicht (minus 200 Punkte)

Beschreibung Negativ-Kriterium

Während der Indikator E2 freiwillige Leistungen von Unternehmen beschreibt, die über die Pflicht der Leistung von Steuern und Sozialabgaben hinausgehen, beschreibt das Negativkriterium N12 alle Aspekte des Handelns von Unternehmen, die auf die Umgehung dieser Verpflichtungen hinauslaufen.

Infolge der Globalisierung entstand ein Steuerwettbewerb zwischen verschiedenen Ländern. Die OECD listet eine Reihe von „harmful tax practices“ auf, die auf globaler Ebene dazu führen, dass Steuern in großen Stil hinterzogen werden und Korruption sich verbreitet (http://www.oecd.org/tax/harmfultaxpractices/1904184.pdf). Es gibt mehrere Auflistungen von Ländern, die solche Praktiken zumindest dulden oder sogar aktiv fördern, z.B. seitens der OECD (http://www.oecd.org/document/57/0,3343,en_2649_33745_30578809_1_1_1_37427,00.html) oder den Finanzschattenindex des „Global Tax Justice Networks“ (http://www.taxjustice.nethttp://www.financialsecrecyindex.com/2011results.html).

Finanzschattenplätze zeichnen sich aus durch:

  • Keine oder marginale Einkommens- bzw. Gewinnsteuern
  • Nicht verfügbare Information oder fehlender Zugang zu Information
  • Mangelhafter Informationsaustausch mit Behörden anderer Länder
  • Fehlende Transparenz

Unternehmen, die diesen Wettbewerb nutzen, nehmen zwar die Leistungen des Gemeinwesens in Anspruch (z.B. Bildung, Infrastruktur, Gesundheitsdienste, Verwaltung, Rechtssystem), leisten aber keinen adäquaten Beitrag zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung dieser Gemeinschaftsleistungen.

Die Praktiken von Unternehmen, die als schädlich für das Gemeinwohl zu betrachten sind, umfassen unter anderem:

  1. Die Verschiebung von Gewinnen innerhalb eines Konzerns in Länder mit geringeren Gewinnsteuern
  2. Die Veranlagung von Geldern in Ländern mit niedrigeren Kapitalsteuern
  3. Die Nutzung der Möglichkeiten von „Finanzschattenplätzen“ um Gewinne zu verschleiern
  4. Die Verlagerung von Konzernzentralen, Zweigstellen oder sogar Gründung von „Briefkastenfirmen“ in „Finanzschattenplätzen“, auch um niedrige Ertragssteuern zu nutzen

Bewertung + Abstufung

Die Bewertung sollte sich am Anteil der tatsächlich geleisteten Steuern in einem Land in Relation zur theoretischen Steuerleistung, die sich aufgrund der Wertschöpfung ergeben würde, orientieren.

Da diese Daten im Normalfall aber nicht öffentlich zugänglich sind, müssen alle Aktivitäten eines Unternehmens, die zur Steuervermeidung geeignet erscheinen, kritisch geprüft werden. Für alle oben genannten Praktiken sollten jeweils 50 Punkte in Abzug gebracht werden (maximal -200).

Redakteur: Manfred Kofranek, manfred.kofranek@inode.at


N13: Unangemessene Verzinsung für nicht mitarbeitende Gesellschafter (minus 200 Punkte)

Beschreibung Negativ-Kriterium

Kapitaleinkommen sind per se problematisch (s. Indikator E4), weil

  1. sie die Wirtschaft zum Wachstum zwingen: Jede Erwartung für ein zur Verfügung gestelltes Kapital ein Einkommen zu erzielen, sei es auch nur im Ausmaß der Inflation zwingt, die Wirtschaft zum Wachstum; und
  2. sich rund 80 Prozent des Finanzvermögens in den Händen von 20% der Bevölkerung befinden. Folglich strömen auch mindestens vier Fünftel der Kapitaleinkommen nur einem Fünftel der Bevölkerung zu. Es ist sogar ein höherer Anteil, weil die Kapitaleinkommen umso höher sind, je reicher jemand ist. Der Kapitalismus ist ein „positiv rückgekoppeltes System“: Je reicher jemand ist, desto leichter wird das weitere Reichwerden, auch wenn keine Arbeitsleistung erbracht wird. Die Mehrheit der Großvermögen wurde ererbt, nicht erarbeitet; und
  3. je einseitiger Kapital nach dem Anreiz "Kapitalrendite" eingesetzt wird, desto weiter entfernt es sich vom eigentlichen Zweck des Wirtschaftens: der Befriedigung von Bedürfnissen, Schaffung von Lebensqualität und Sinn, Mehrung des Gemeinwohls. Das ist eine systemische Fehllenkung von Kapital, die auch in Widerspruch zu mancher Verfassung steht, z. B. in der Bayerischen: "Kapitalbildung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Entfaltung der Volkswirtschaft." (Art. 157 (1))

Der Wachstumszwang wird umso größer und die Verteilung umso ungerechter, je höher die Kapitaleinkommen sind. Im Durchschnitt können bei einem realen zweiprozentigen Wirtschaftswachstum alle Einkommen um zwei Prozent wachsen. Höhere Zuwachsraten sind in nur Ausnahmeunternehmen und -branchen möglich, aber nicht in Durchschnittsunternehmen und -branchen. Alle Unternehmen können einen Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten, indem sie das Kapitaleinkommen minimieren.

Extremes Zuwiderhandeln, wie etwa durch die dauerhafte Ausschüttung zweistelliger Renditen auf Eigen- und Fremdkapital nicht im Unternehmen tätiger GesellschafterInnen über einen Zeitraum von fünf Jahren, ist als Negativkriterium zu werten.

Bewertung + Abstufung

Berücksichtigt wird alles eingebrachte Kapital (Eigen- und Fremdkapital) nicht im Unternehmen tätiger Gesellschafter. Als Ausschüttung gilt die Summe der ausgezahlten fixen und variablen Zinsen und der ausgeschütteten Gewinnanteile.

Übersteigt im Durchschnitt der letzten fünf Jahre für einen oder mehrere nicht tätige Gesellschafter die Ausschüttung auf das eingebrachte Kapital die nachstehenden Renditen, so werden entsprechende Negativpunkt vergeben:

  • Rendite auf eingebrachtes Kapital 10 - 12,5% = - minus 100 Punkte
  • Rendite auf eingebrachtes Kapital 12,5 - 15% = - minus 150 Punkte
  • Rendite auf eingebrachtes Kapital >15% = - minus 200 Punkte

Redakteur: Christian Felber info@christian-felber.at unter tatkräftiger Mitarbeit von Christoph Spahn


N14: Nichtoffenlegung aller Beteiligungen und Tochterunternehmen (minus 100 Punkte)

Transparenz ist eine Grundvoraussetzung für Vertrauen, Kontrolle, Demokratie und die Verhinderung von Machtkonzentration. Unternehmenseigentum ist nicht reine Privatsache, sondern betrifft auch die Allgemeinheit. Es sollte offengelegt werden, welche Sub-Firmen überhaupt bestehen und wer (Mit-) Eigentümer welchen Unternehmens ist. Gibt es hier keine Transparenz, werden Steuerhinterziehung (z. B. anonyme Trusts oder Briefkastenfirmen in Steueroasen), Umweltzerstörung (z. B. Tankschiffe von EU-Unternehmen fahren unter panamesischer Flagge), Kriminalität (z. B. Korruption über Scheinfirmen) und Demokratieuntergrabung (z. B. versteckte Parteispenden) Tür und Tor geöffnet. Auch Unternehmen sind soziale Gebilde und an deren Regeln (Lizenzvergabe, Rechtsgrundlage für „juristische Personen“) gebunden - deshalb müssen sie sich transparent zeigen und deklarieren. Der Datenschutz hat hier Nachrang. Auch „natürliche Personen“ müssen ganz selbstverständlich ihren jeweiligen Wohnsitz den Behörden melden.

Redakteur: Christian Rüther chrisruether@gmail.com, Vorarbeit: Christian Felber              

                 

N15: Verhinderung eines Betriebsrats (minus 150 Punkte)

Voraussetzung für die Errichtung eines Betriebsrats ist, dass in  einem Betrieb (im Sinne des § 34 Abs. 1 ArbVG) mindestens fünf ArbeitnehmerInnen dauernd beschäftigt sind.

Eine Verhinderung des Betriebsrates liegt vor, wenn die Geschäftsführung durch unterschiedliche Maßnahmen der Konstituierung bzw. Wahl eines Betriebsrates entgegenwirkt.

Belegbar ist die Verhinderung nur teilweise:

-          Hilfreich könnte eine anonyme MitarbeiterInnenbefragung sein, in der abgefragt wird, wer sich einen Betriebsrat wünscht, ob es Maßnahmen zur Verhinderung gab und wie mit MitarbeiterInnen umgegangen wurde, die sich dafür eingesetzt haben.

-          Ebenso hilfreich sind Äußerungen von gekündigten MitarbeiterInnen, wenn sie in einem Zusammenhang mit einer Betriebsratsgründung sehen.

-          Auch könnte man sich bei der Arbeiterkammer oder den jeweiligen Gewerkschaften informieren, ob gegen den Betrieb Beschwerden vorliegen oder einschlägige negative Erfahrungen dokumentiert sind.

Die Beweislast könnte aber auch umgekehrt werden, dass die Geschäftsführung beweisen muss, dass es keine Verhinderungen gab.

Letztendlich obliegt es dem Auditor, ein ausgewogenes Urteil zu fällen.

Skripten zum Arbeitsrecht/ Betriebsrat (VOEGB)

Infoplattform des OEGB: www.betriebsraete.at

Redakteur: Christian Rüther chrisruether@gmail.com


N16: Nichtoffenlegung aller Finanzflüsse an Lobbyisten und Lobby-Organisationen / Nichteintragung ins Lobby-Register der EU (minus 200 Punkte)

Lobbying im Eigeninteresse – und nicht im Allgemeininteresse – ist eine der größten Bedrohungen der Demokratie. Ein wichtiger Schritt zur Offenlegung sämtlicher Lobbying-Aktivitäten ist die Offenlegung aller Finanzflüsse eines Unternehmens an Lobby-AkteuerInnen. Wer dies nicht tut, unterstützt hier eine Praxis der Intransparenz zum Schaden der Demokratie. Unternehmen in der EU können diese Intransparenz beenden, indem sie sich in das EU-Lobbyregister eintragen. Falls dieses Register nicht zutreffen sollte, können – insbesondere kleinere Unternehmen – alternativ sämtliche Finanzflüsse offenlegen.

Redakteur: Christian Rüther chrisruether@gmail.com, Vorarbeit Christian Felber      

                         

N17: Exzessive Einkommensspreizung (minus 100 Punkte)

Kein Einkommen bei voller Arbeitszeit überschreitet das Zwanzigfache des vorgeschlagenen Mindestlohnes des jeweiligen Landes (Siehe Indikator E4)

Konkret bedeutet dies für Österreich und Deutschland: kein Einkommen übersteigt € 26.600.- (netto) bzw. in der Schweiz € 70.000.- (netto).

Für Details zu Begründung von Maximaleinkommen siehe Indikator E4.

Redakteur: Nonno Breuss, nonno.breuss@gmail.com

 



[1] Zusammengestellt aus den Ausschlusskriterien der Ethik-Bank und Steyler-Bank